Amerikanisierung der deutschen Sprache
Es kränkt mich! Es bringt mich zum Kochen! Es macht mich unendlich wütend!

Ich schätze interkulturellen Austausch sehr. Es ist nicht denkbar, eine Sprache zu erlernen, ohne die dazugehörige Kultur zu verstehen. Die Sprache ist nun mal das A uns O einer Kultur.

Ich muss gestehen, ich lese höchst gern amerikanische Bücher – vorzugsweise Romane. Eine Welt ohne Noah Gordon, Haminghway und viele andere Namen ist einfach nicht auszudenken.

Viel mehr beschwere ich mich über Möchtegernübersetzer.

Übersetzung muss gelernt sein! Man kann Texte von einer Sprache in die andere nicht wortwörtlich überbringen. Das wäre ein Ungetüm!

Könnte man sich vorstellen, dass ich türkisch denke und meine Gedanken meinem gegenüber wörtlich übersetze? Mich würde dann wohl niemand verstehen. Nicht mal ich selbst könnte mich verstehen.

Kann jemand Hosenbeine tragen? Nein? Laut Übersetzer von amerikanischen Büchern und Filmen ist es möglich. Denn wenn der Engländer von "trouser" und der Amerikaner von "pant" sprechen, meinen sie damit das "Hosenbein" - weil es im Englischen kein Wort für "Hose" gibt. Stattdessen nehmen sie die Mehrzahl "trousers" oder "pants". Und damit meinen Sie "Hose".

Und was machen unsere hochgeschätzten Übersetzer? Sie übersetzen es direkt als "Hosen". Beispiel: "Hast du Hosen an?" Komischerweise würde ich nie in meinem Leben so einen Satz bilden. Denn ein Mensch kann in der Regel nur eine Hose anhaben.

Wer kennt das deutsche Wort "Name" nicht? Wir kennen auch das englische Wort "name". Beide Wörter haben zwar den selben Ursprung, aber bedeuten sie auch gleich? Keineswegs! Im Deutschen bedeutet "Name" die Benennung eines Gegenstands; oder auch "Familienname".

Das englische Wort "name" bedeutet aber "Vorname".

Man stelle sich vor, ich stellt mich jemandem in Englisch vor und: "My name is Erol." Unsere verehrten Übersetzer würden sofort übersetzen: "Mein Name ist Erol."

Diejenigen, die meine Website besuchen, wissen, dass "Erol" mein Vorname ist. Also sollte die Bedeutung des besagten Satzes lauten: "Ich heisse Erol." Denn wenn ich im Deutschen mit "Mein Name ist..." anfange, müsste ich meinen Familiennamen nennen.

Es gibt noch unzählige Beispiele. Es geht nicht nur um Worte, sondern auch um Begriffe und sogar ganze Sätze. Darunter fallen auch Sprichwörte, die man niemals wörtlich, sondern sinngemäß übersetzen müsste.

Mich stören auch die Wörter, die man nicht berücksichtigt, obwohl sie sehr leicht zu übersetzen sind. Wörter wie "dad", "mom", "grandpa", "grandma". Und Vieles mehr!

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich eines Tages einen amerikanischen Film mit richtiger Synchrinisierung schaue.

Man darf eine Kultur nicht einfach so zum Verschwinden verurteilen. Die deutsche Kultur ist um einige Jahrtausende älter als die US-amerikanische.

Ich habe generell kein Interesse daran, die Sprachen dieser Erde mit amerikanischen Wörtern verunreinigt.


Datum: 20.12.2009 | Clicks: 297 | Kat.: Kolumnen

 
 
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